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Forschungsprojekt ::
Accounting und transformatorische Effekte im Profifußball. Eine empirisch-ethnografische Studie zur Soziologie zahlen- und datenbasierter Praktiken des Bewertens und Kritisierens

Projektbeschreibung

Das Projekt beschäftigt sich mit gegenwärtigen Entwicklungen im Profifußball. Während insbesondere die Fankulturen und die massenmedial verbreitete Bildsprache des Fußballs in der Soziologie schon intensiv erforscht werden, soll dieses Projekt weitere Aspekte des Profifußballs erschließen. Im Fokus stehen nicht Spieler und Fans, sondern diejenigen, welche den Fußball in seiner gegenwärtigen Form im Hintergrund der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit überhaupt erst möglich machen und mitprägen. Von Interesse sind hier neue, bislang wenig beachtete Expertenkulturen des Fußballs. Das Projekt will diese Expertenkulturen und ihre Bewertungspraktiken in der Breite sondieren und setzt dabei auf verstehende Zugänge. Offene Gesprächs- und Interviewformate werden ergänzt durch Untersuchungen von Bild- und Videomaterialien, Dokumenten und Diskursen, vor allem aber durch die teilnehmende Beobachtung im Feld.
Im Zentrum des Interesses stehen die Praktiken und die Logiken des Bewertens und Rechenschaft-Ablegens im Profifußball sowie die transformatorischen Effekte, die der Einsatz neuer Beobachtungsverfahren und Analysetechniken für diese Logiken bedeutet. Damit soll ein Beitrag zur gegenwärtig boomenden Soziologie der Bewertungskulturen geleistet werden. Diese Forschung beobachtet in den letzten Jahrzehnten eine Zunahme von Bewertungspraktiken und Formaten – Audits, Benchmarks und Rankings, in Wirtschaft, Wissenschaft und selbst Kunst. Allzu schnell wird dabei eine „Quantifizierung“ des Sozialen beklagt, oder eine „Kolonialisierung“ nicht-wirtschaftlicher Gesellschaftsbereiche durch Management-Logiken. Übersehen wird dabei mitunter die Vielfalt und Omnipräsenz des Bewertens. Bewertungen reichen vom ästhetischen Erfassen – etwa eines Spielzugs durch Trainerinnen und Trainer genauso wie durch Kameraleute – über das Versprachlichen von qualitativen Urteilen – in der Taktikbesprechung oder etwa in der Evaluation von Schiedsrichterinnen- und Schiedsrichterteams – bis hin zur formalisierten Zuspitzung eines Ereignisses zu Ergebnissen – in der zählenden Logik des Spielberichts („2:0“) – in Praktiken der Benotung für organisationsinterne Zwecke oder in statistischen Verfahren.
Der Fußball ist ein geeigneter Forschungsgegenstand, um einen Schritt zurückzutreten hinter politisch aufgeladene Gesellschaftskritik, und um die Soziologie der Bewertung auf Probleme der Grundlagenforschung hin zu orientieren: Wie verhalten sich vielfältige und hochgradig verschiedenartige Bewertungspraktiken zueinander? Wie kann die Bewertungssoziologie Bewertung nicht nur auf formalisierte Evaluationsverfahren reduzieren, sondern das Kontinuum zwischen ästhetisch-einordnendem Erfassen und formalisiert-verfahrensmäßiger Verbuchung beobachten?

Angaben zum Forschungsprojekt

Beginn des Projekts:2019
Ende des Projekts:30. April 2024
Projektstatus:abgeschlossen
Projektleitung:Schmidt, Prof. Dr. Robert
Beteiligte Personen:Weigelin, M.A. Max
Lehrstuhl/Institution:
Finanzierung des Projekts:Begutachtete Drittmittel
Geldgeber:Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Themengebiete:M Politik; Soziologie
M Politik; Soziologie > MS Spezielle Soziologien, z. B. einzelne Länder, einzelne Themen
Projekttyp:Grundlagenforschung
Webseite:https://www.ku.de/accounting-im-profifussball
Link zu Gepris:https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/421870369
Fördernummer:421870369
Projekt-ID:3198
Eingestellt am: 01. Sep 2022 10:59
Letzte Änderung: 21. Mai 2024 08:19
URL zu dieser Anzeige: https://fordoc.ku.de/id/eprint/3198/
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