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Forschungsprojekt ::
Die Visitation des Reichskammergerichts von 1767 bis 1776 (Dissertationsprojekt)

Projektbeschreibung

1767 trat letztmalig in der Geschichte des Alten Reiches eine Kommission zusammen, um die „Personal- und Realgebrechen“ des Reichskammer-gerichts zu untersuchen. Diese nach dem Siebenjährigen Krieg zum wichtigsten Reichsanliegen erhobene, 1767 von Kaiser und Reich nach einem hochkomplexen Schema bestellte und 1776 vorzeitig aufgelöste „Reichs-Visitations-Deputation“ zu erforschen und damit ein immer wieder benanntes Forschungsdesiderat zu schließen, sind erklärte Ziele meines an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt von Frau Prof. Dr. Ullmann betreuten Dissertationsvorhabens.

Exemplarisch für die rund 70 Reichsstände, die – eingeteilt in vier paritätisch besetzte „Klassen“ – nacheinander zusammentraten, um das höchste ständische Reichsgericht zu reformieren, soll das Wirken der kurbayerischen Gesandten untersucht werden. Die aus dem Subdelegierten Andreas von Goldhagen, dem Sekretär Sebastian Krempelhuber und dem Kanzlisten Joseph Ludwig Drouin bestehende Visitationsdelegation war eine von insgesamt 24 Delegationen, die seit Mai 1767 das RKG visitierten. Diese erste Klasse wurde 1774 von einer zweiten, 1775 von einer dritten und im Mai 1776 von der vierten und letzen Visitationsklasse abgelöst. Da hier wiederum Kurbayern vertreten war, ist die Visitation als ein fast ununterbrochen in der Region verankerter Reformprozess zu begreifen.

Davon zeugen auch die reichen Quellenbestände im Bayerischen Hauptstaatsarchiv (Kasten schwarz). Diese Arbeitsgrundlage, die auch Bestände des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs und des Augsburger Stadtarchivs umfasst, beinhaltet sowohl delegationsinterne als auch delegations- und klassenübergreifende Quellen (Visitationsprotokolle mit Beilagen, Examensprotokolle). Erstere Quellengruppe dokumentiert mit den Diarien, Berichts- und Begleitschreiben sowie den behördlichen Anweisungen einen innerstaatlichen Austauschprozess, der sich zum einen zwischen kurbayerischer bzw. herzoglich bayerischer Visitationsdelegation und Münchner Hof sowie zwischen kurbayerischer bzw. herzoglich bayerischer Visitationsdelegation und kurbayerischer Reichstagsgesandtschaft vollzog.

Die Motive, Interessen und Handlungsräume der Münchner Visitationsdelegation müssen dementsprechend im Gefüge mehrerer „Reformsphären“ bestimmt werden. Neben der Landes- und Reichsebene war es auch der in der Öffentlichkeit geführte Visitationsdiskurs, der auf den reformerischen Fixpunkt Wetzlar einwirkte. Die Qualität und Realität dieses „Reformzentrums“ zu erfassen, ist das Hauptanliegen der Untersuchung.

Angaben zum Forschungsprojekt

Beginn des Projekts:September 2008
Projektstatus:laufend
Projektleitung:Ullmann, Prof. Dr. Sabine
Beteiligte Personen:Denzler, M.A. Alexander
Lehrstuhl/Institution:
Finanzierung des Projekts:Sonstiges
Themengebiete:N Geschichte > NN Neuere Geschichte
N Geschichte > NS Bayerische Landesgeschichte
N Geschichte > NT Allgemeine Rechts-, Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte
Projekttyp:Promotionsprojekt
Projekt-ID:725
Eingestellt am: 08. Feb 2010 12:02
Letzte Änderung: 15. Jun 2021 03:20
URL zu dieser Anzeige: https://fordoc.ku.de/id/eprint/725/
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