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Forschungsprojekt ::
Transkulturalität der Religion in Prosatexten der Gegenwart

Projektbeschreibung

Religion und Religiosität finden gegenwärtig eine neue und unerwartete Beachtung in Medien und Öffentlichkeit europäischer Gesellschaften. Die weltweite Politisierung von Glaubensgemeinschaften und die wichtige Rolle der Religion in Identitätsdiskursen können als Indikatoren dafür dienen, dass die Säkularisierungswelle, welche seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges viele Länder Europas erfasst hatte, nicht das Normalvorbild für die Modernisierung aller Kulturen ist, sondern ein Sonderweg. In einem Zeitalter globaler Migration und digitaler Vernetzung kann sich auch Europa einer Revitalisierung der Religion nicht entziehen, zumal dadurch ausgelöste Probleme – religiöse Konflikte in einer pluralen Gesellschaft oder religiös motivierte terroristische Anschläge – mitten in Europa stattfinden. Das bedeutet, dass Europa sich der Herausforderung einer postsäkularen Gesellschaft stellen muss, in der weltliche und religiöse Gruppen ihre Beiträge zu kontroversen Themen in der Öffentlichkeit gegenseitig ernst nehmen müssen (Habermas 2009). Auf der Ebene wissenschaftlicher Analyse muss der einfache Gegensatz von Religion und Säkularität einer komplexeren Betrachtung multipler Säkularitäten und multipler Religiositäten in transkultureller Perspektive weichen (Burchardt und Wohlrab-Sahr 2015).
Von der Literatur als einer „ausgezeichneten Form der Selbstbeobachtung von Gesellschaften“ (Böhme 1998) müssen wir annehmen, dass sie diese Entwicklungen thematisiert. Wie Georg Langenhorst und Silke Horstkotte für die deutschsprachige Literatur zeigen konnten, wenden sich seit den 1990er Jahren zahlreiche literarische Texte wieder Glaubensfragen zu. Bisher erforscht ist vor allem der Umgang mit dem Bilderreservoir des Christentums. Das geplante Panel wendet sich erstmals dem transkulturellen Vergleich zu, und zwar auf zwei Ebenen. Zum einen soll das transkulturelle Spannungsfeld von Christentum und Islam diskutiert werden, das in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur vor allem von deutsch-türkischen Autoren wie Feridun Zaimoglu und Zafer Şenocak oder deutsch-iranischen Autoren wie Navid Kermani, aber auch beispielsweise von Sibylle Lewitscharoff thematisiert wird. Zum anderen ist ein Vergleich mit französischer Literatur angestrebt, in der sich – wegen der laizistischen Tradition und der stärkeren religiösen Pluralität – die gegenwärtige literarische Auseinandersetzung mit Religion weitaus kritischer gestaltet und sich zudem deutlich stärker um den Islam zentriert (Nientiedt 2009). Das Panel untersucht exemplarische Konstellationen im gegenwärtigen transkulturellen Umgang mit Religion anhand von Autoren wie Sibylle Lewitscharoff, Thomas von Steinaecker, Michel Houellebecq, Kamel Daoud, Feridun Zaimoglu, Zafer Şenocak und Navid Kermani. Dabei sollen Formen und Funktionen der religiösen Bezugnahmen in den literarischen Texten hinsichtlich des verschiedenen religiösen und kulturellen Umfelds verglichen werden.

Angaben zum Forschungsprojekt

Beginn des Projekts:2021
Ende des Projekts:2023
Projektstatus:laufend
Projektleitung:Stauffer, Prof. Dr. Isabelle
Conterno, Prof. Dr. Chiara
Lehrstuhl/Institution:
Finanzierung des Projekts:Sonstiges
Geldgeber:Internationale Vereinigung für Germanistik (IVG)
Schlagwörter:Transkulturalität, Gegenwartsliteratur, Literatur und Religion
Themengebiete:G Germanistik; Niederlandistik; Skandinavistik > GE Deutsche Literatur
G Germanistik; Niederlandistik; Skandinavistik > GE Deutsche Literatur > Moderne III - 1991 ff.
Projekttyp:Tagung, Konferenz, etc.
Projekt-ID:3075
Eingestellt am: 22. Dez 2021 20:42
Letzte Änderung: 23. Dez 2021 03:08
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